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Maler-Ernst-Straße

Gustav Ernst und der Nationalsozialismus


Ziel der Aufarbeitung ist die Klärung der Frage, wie weit Ernst mit seiner offensichtlichen nationalsozialistischen Einstellung in der Öffentlichkeit präsent war, ob er anderen geschadet hat oder ob er sogar – wie sein Freund Karl Räder – aktiv Propaganda für das Regime betrieb.

Dass Ernst ein glühender Hitler-Verehrer und ein Antisemit war, hatte schon Clemens Jöckle in seinem Aufsatz „Ja, da horcht die ganze Welt auf! Die Tagebücher des Malers Gustav Ernst als Beispiel der Banalität des Bösen“ dargelegt.

In der Landesbibliothek Speyer wurde sein Nachlass (N51 A – Kryptonachlass) nochmals gesichtet.

Die Handschrift von Ernst ist schwer zu entziffern, die Vorarbeit, die Herr Jöckle hier geleistet hat, ist nicht hoch genug zu schätzen – ebenso seine Bewertung des künstlerischen Schaffens von Ernst, was aber an dieser Stelle kein Thema ist.

Einige Zierseiten aus Ernsts Tagebuch mit Hitler-Zitaten waren ihm so wichtig, dass er sie aufwendig – fast wie Poesiealbum-Seiten – gestaltete (Anlage).

Der Nachlass in Speyer, der mehrere Hefte und Skizzenbücher umfasst, belegt schon früh Ernsts Interesse für den Nationalsozialismus (Jöckle S. 379). Erste Eintragungen hierzu finden sich schon 1923. Die politischen Entwicklungen verfolgte er in den kommenden Jahren aufmerksam, teils über Medien (Radio), teils auch durch Teilnahme an Veranstaltungen.

1932 besucht er eine große Kundgebung in Nürnberg anlässlich des Deutschlandfluges von Hitler. Hier hört er Hitler selbst sprechen.

1938 kommentiert er den „Anschluss“ Österreichs: „großer Tag!! Einmarsch deutscher Truppen in Österreich!“ Einen Tag später schreibt er: „Anschluß an Deutschland für immer“.

Eintrag am 27. September 1938: „27. September. Gestern Abend die große Rede von unserem Führer Adolf Hitler im Sportpalast Berlin durch den Rundfunk gehört. So wären die Würfel gefallen. Wenn am 1. Oktober dies Versprechen von der Tschechei nicht eingelöst wird, Krieg! Krieg! Nach zwanzig Jahren wieder Krieg? Wir sind da und werden uns schlagen! Heil Hitler!“ (Jöckle S. 384)

Eintrag am 21. März 1939 (Jöckle S. 385): „Bei uns ist Ruhe und Arbeit, bei den sogenannten Demokratien das Gegenteil, Haß und Neid und Uebelwollen, wie es nicht schlimmer gedacht werden kann. Der Weltfeind ist an der Arbeit, seine Macht zu gebrauchen und Europa ins Chaos zu stürzen!“

Gerade diese persönlichen Notizen zeigen, dass Ernst ganz sicher ein großer Bewunderer Hitlers und Anhänger der nationalsozialistischen Ideen war.

Eintrag am 20. April 1939: „Heute ist der 50. Geburtstag unseres Führers. Gott erhalte ihn uns Deutschen noch recht lang“.

Diese Bewunderung teilte er mit Freund Räder, der zu Ernsts 85. Geburtstag im Jahr 1943 folgenden Vers verfasste: „Und gläubig auf zum Führer schweift Dein Blick, gewiß, daß Gott in ihm sich offenbare!“ (Jöckle S. 386)

Am 28. Juli 1944 notiert er in sein Tagebuch die antisemitische Bemerkung: „Der Jude kann so schön lügen, daß es einem leid tun kann, daß es nicht wahr ist“ (Jöckle S. 395)

Aus seiner Zeit in München (1913–1922) existieren keine Unterlagen im dortigen Stadtarchiv München, wie man auf Anfrage mitteilte.

Im Rahmen der Aufarbeitung wurde seine Zeit in Nürnberg (1922–1934) untersucht, wo Ernst in der Künstlergenossenschaft aktiv war, offensichtlich auch schon in den Jahren, als er dort noch kein ordentliches Mitglied war. Die Unterlagen zur Künstlergenossenschaft (Zeitungsartikel, Korrespondenz, Protokollbücher usw.) befinden sich als Bestand E6/274 im Stadtarchiv Nürnberg.

Die Protokollbücher der Künstlergenossenschaft sind sehr knapp abgefasst, der überwiegende Teil umfasst je Sitzung 1–3 DIN A5-Seiten, die locker handschriftlich beschrieben sind. Auf Diskussionen wird nicht eingegangen, einzelne Wort-Beiträge von Mitgliedern werden nicht erwähnt.

Es scheint, als habe sich die Künstlergenossenschaft hauptsächlich mit der Durchführung von Ausstellungen und jährlich einer Karnevalsveranstaltung sowie einer Lotterie beschäftigt, mit der sie notleidende Mitglieder unterstützte.

Die Sichtung der Unterlagen in Nürnberg ergab, dass Ernst auch in diesen Jahren nicht als bekannte Persönlichkeit im öffentlichen Raum präsent war.

Im Protokoll der Sitzung vom 16. März 1927 wird anlässlich seines Geburtstages von einer Gratulation abgesehen, mit der Begründung, dass er kein Mitglied und erst vor wenigen Jahren nach Nürnberg gezogen sei. Da er sich in „wirklicher wirtschaftlicher Bedrängnis“ befand, wurde dem Vorschlag des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Luppe zugestimmt, zwei von Ernsts Bildern für eine anstehende Verlosung zu erwerben.

Ernst erhielt mehrfach Geld der Genossenschaft und wurde in internen Listen als „notleidend“, zeitweise auch als „dringend notleidend“ eingestuft.

Erst am 18. November 1927 stellte Ernst einen Antrag auf Aufnahme in die Künstlervereinigung, dem am 11. Dezember 1927 entsprochen wurde.

Am 29. Februar 1932 wird er bei Neuwahlen Juror und erhält einen Sitz im Ausschuss, am 20. Dezember 1932 kauft die Stadt als „Unterstützungsankauf“ ein Bild von ihm.

Aufschlüsse über seine politische Gesinnung gehen aus den Unterlagen nicht hervor. Dass sich die Künstlervereinigung aber nach der Gleichschaltung politisch eindeutig positionierte, belegt ein Schreiben an Oberbürgermeister Willi Liebel (Nachfolger von Luppe, siehe oben) vom 21. März 1933, in dem Vorwürfe gegen Fritz Traugott Schulz, den damaligen Direktor der Städtischen Kunstsammlung Nürnberg, erhoben wurden (Schulz wurde im Zuge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 22. März 1933 verhaftet, nach seiner Freilassung seines Amtes enthoben und in den vorzeitigen Ruhestand versetzt): „Wir klagen Herrn Dr. Schulz an, dass er sich die Macht eines Diktators über die Gesamtheit Nürnberger- u. fränkischer Künstler anmasste. Auch unterschied er sich in nichts von den sattsam bekannten, jüdischen Kunstexperten und Kunsttheoretikern, die den ‚klassischen Bolschewismus als Heilsbringer Deutscher Kunst‘ dem ohnehin durch ihre planmäßige, zersetzende Arbeit mürbe gemachten, verwirrten deutschem Volke suggerieren wollen (…).“

„(…) Wir vermissen bei Herrn Dr. Schulz als Galeriedirektor jedes echte völkische Empfinden und jedes bewusste und zielklare Ablehnen fremder, zersetzender Einflüsse, die unsere Kultur und Kunst schädigen (…) “ (E6/274 Nr. 52).

Das am 21. März verschickte Schreiben war bereits auf der Sitzung der Künstlervereinigung vom 7. Februar Thema gewesen. Dazu wurde allerdings lediglich vermerkt, dass ein Schreiben des Bürgermeisters vorgelesen und dazu Stellung genommen wurde.

Die letzte Sitzung, an der Gustav Ernst teilnahm, fand am 6. März 1934 statt.

Im Zeitungsarchiv der Stadt Bad Dürkheim wurden folgenden Artikel gesichtet

– 19.3.1931: Besuch bei Gustav Ernst in Nürnberg

– 21.3.1933: 75. Geburtstag Gustav Ernst

– 22.7.1933: Gustav Ernst: Bild vom blinden Geiger Bößler

– 24.7.1933: Gustav Ernst: Stiftung der Gedächtnisstühle auf der Limburg

Zwei Artikel aus der NS Rheinfront im Landesbibliothekszentrum Speyer sind noch zu sichten:

– 5.10.1935: Bericht über Gustav Ernst

– 20.3.1943: 85. Geburtstag Gustav Ernst

Fazit der bisherigen Untersuchung:

Gustav Ernst wurde in den vorliegenden Unterlagen und Zeitungsartikeln nie mit konkreten Äußerungen zitiert. Es wurde stets nur über seine Malerei und eher selten über ihn als Person geschrieben. Seine politische Haltung kommt vor allem in seinen Tagebüchern zu Tage. Anders als Räder scheint er als Person nicht im öffentlichen Fokus gestanden zu haben.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Benennung der Straße unangemessen ist und nicht beibehalten werden sollte. Der Kulturausschuss empfiehlt dem Stadtrat daher folgende Straßenumbenennungen:

  • Maler-Ernst-Straße in Rudolph-Christmann-Straße

7 Fragen

Lilo Bauer-Freitagvor 4 Jahren
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Ulrich Martinvor 4 Jahren
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Ulrich Martinvor 4 Jahren
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Melanie Hubachvor 4 Jahren
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