Was versteht man unter "Aufarbeitung"?
Von "Karl-Räder-Allee"
Zum Projekt
Ihr lieben Leute,
Mein Hintergrund ist die Psychologie. In der Psychologie ist “Aufarbeitung der Vergangenheit” und von alten Verletzungen ausschliesslich die Arbeit an sich selbst gemeint, hoechstpersoenlich. Man ueberprueft sich selbst zum Beispiel, welche Charakterzuege, die im Aussenbereich als stoerend empfunden werden, mit einem selbst zu tun haben, d.h. dass man unbewusst dieselben Zuege wahrscheinlich in sich selbst traegt. Und indem man diese Persoenlichkeits- oder Charakterzuege herauskristallisiert und schlisslich ablegt, verbessert sich das persoenliche Wohlergehen und die Selbstachtung. Jedoch ist dabei niemals gemeint, dass man dadurch die Lizens hat, am Charakter anderer herumzuschrauben, denn dadurch verbessert sich das Selbstgefuehl NICHT, sondern das ist es doch, womit man sich selbst krank haelt und die Gesellschaft damit auch krank macht.
Und somit grueble ich bereits seit 2 Jahren darueber nach, was in der Stadt Bad Duerkheim wohl unter “Aufarbeitung” verstanden wird, denn meine Beobachtungen klaffen weit auseinander von allem, das ich je ueber psychische Gesundheit gelernt und erfahren habe. Ich stelle fest, dass man nun vorschreiben will, welche der Kuenste heutzutage gesellschaftlich “passable” sind (z. B. kein Karl May mehr); Deutschlands Geschichte wird langsam umgeschrieben (z.B. indem man Bismarck und Preussen verschwinden laesst); und man greift etwa auch Kirchen an, weil Martin Luther ein Frauenfeind gewesen sein koennte (was sich von seinen Mitmaennern damals nicht unterschieden haette. Sogar mein eigener Ex-Ehemann hat regelmaessig solche Dinge als Partywitz losgelassen, wie angeblich auch Martin Luther, und alle haben gelacht). Es wird Propaganda—ja, HETZE—betrieben, um die groessten Denker und Kuenstler zu verunglimpfen, die Deutschland je hervorgebracht hat. Das wird nie aufhoeren, weil eine kranke Seele immer wieder einen neuen Feind braucht, was die Selbstachtung aber nie eigentlich dauerhaft verbessert.
Und schauen Sie mal genau hin: Sind das nicht genau die Methoden der Nazi-Zeit??? Wie will man die Wiederkehr dieser Zeit verhindern koennen, wenn man sich heute genauso ketzerisch verhaelt? Wenn Sie den Bericht vom Historiker Paul mit ein bisschen Abstand betrachten, dann sehen Sie, dass er gespickt ist mit emotionalen Stimmungsmachern, und dass er ganz und gar nicht sachlich geblieben ist. Er ist manipulativ, indem er (ohne Belege) Karl Raeder als einen Luegner und nicht ehrenwert darstellt. Er meint (seine hoechtpersoenliche Auslegung und Meinung), Karl Raeders Reue nach dem Krieg sei nicht echt gewesen und dass er seinen Hals je nach Wind “gewendet” habe. Er erwaehnt ganz beilaeufig, das eine Halle, in welcher Karl Raeder einmal seine Gedichte vorgetragen hat, “von der NSDAP mitfinanziert” war…, was hatte das mit Karl Raeder zutun, der auch ueberall sonst Einladungen angenommen hat? Das haette Herr Paul sich verkneifen koennen. Und da gibt es noch einiges mehr zu beanstanden, so dass ich mich darueber wundere, wie man so einen Bericht als Grundlage fuer die gesamte Strassenumbennung und Verunglimpfung im Museum akzeptieren kann.
Auch moechte ich darauf hinweisen, dass Amerika zur Zeit von Karl Raeders bei seinen Kindern (in allererster Linie!) noch durchaus Deutschland-freundlich gesonnen war und Waffen geliefert hat. Gleichzeitig hat und hatte Amerika seine ureigene Voreingenommenheit gegenueber der juedischen Bevoelkerung, ganz ohne Hilfe von Karl Raeder. Es durften weiterhin sehr wenige Juden einwandern, auch nicht, als sie von Deutschland fliehen mussten. Das sind historische Fakten, die Herr Paul weiss aber unterschlaegt.
Sie werden Faschismus niemals mit solch einer Propaganda verhindern, die selbst faschistische Zuege traegt, besonders weil Sie auch nur wehrlose Toten damit angreifen und diffamieren und auf ganz wenige Jahre ihres Lebens reduzieren. Waehrenddessen lassen Sie die BASF/IG Farben, die damals Giftgas hergestellt hat, weiterhin bestehen.
Das soll also einer verstehen und sogar gutfinden und als “Aufarbeitung” begreifen? Genau wie damals wird es nun weitergehen, wie ein Krebs, und immer neue Zielscheiben finden, ohne jedoch je Ihr Ziel (Faschismus zu verhindern) zu erreichen. Glauben Sie mir: Auf diese Weise verbessert man gar nichts, am wenigsten sich selbst. Ausserdem scheint die Entscheidung ueber Strassenumbenennung und Museumsausstellung bereits gefallen und im Gange zu sein, schon lange, ehe die Buerger sich dazu aeussern konnten. Auch ist die Entscheidung EINSTIMMIG, sagt man. Wann ist in der Politik solche Einigkeit je mal dagewesen??? Keine einzige abweichende Stimme?
Es gruesst Sie aus der Ferne, mit erhaltener Heimattreue (und Besorgnis) im Herzen,
Lilo Bauer-Freitag
Urenkelin Karls Raeders
Psychotherapeutin (in Ruhestand), Autorin, Aktivistin, und Pfarrerin
Greenville, SC, USA
15. 1. 2023
