Umbenennung der Philipp-Fauth-Straße
Von "Philipp-Fauth-Straße"
Zum Projekt
Regine Müller-Fauth
Katzenberg 103
55126 Mainz
Bürgermeister
Christoph Glogger
Stadtverwaltung
Mannheimer Str. 24
67098 Bad Dürkheim
buergermeister@bad-duerkheim.de
Zur Umbenennung der Philipp-Fauth-Straße in Bad Dürkheim
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Glogger,
sehr geehrte Damen und Herren im Stadtrat von Bad Dürkheim,
in seiner Sitzung am 2. November 2022 hat der Kulturausschuss der Stadt Bad Dürkheim die Umbenennung der Philipp-Fauth-Straße empfohlen. Im Namen der Familie Fauth bitten wir Sie dringend, dies zu überdenken.
Das der Empfehlung zugrunde liegende Gutachten von Herrn Julien Reitzenstein ist tendenziös, geht hauptsächlich auf das SS-Ahnenerbe ohne Bezug auf das Wirken von Philipp Fauth ein und nur sehr oberflächlich-allgemein auf seine Arbeit. Die drei wesentlichen Fragen (Zeilen 744ff), die Herr Reitzenstein in seinem Gutachten mit Ja beantwortet – ohne dafür Belege oder Quellen zu nennen –, müssen aus Sicht der Familie und nach Lage der Quellen mit Nein beantwortet werden.
1) Nach Kenntnisstand der Familie war Philipp Fauth kein Mitglied der NSDAP. Das Bundesarchiv in Berlin konnte keine NSDAP-Mitgliederkarteikarte ermitteln (Schreiben vom 21.11.2022). Auch Herr Reitzenstein stellt im Gutachten fest: Philipp Fauth „trat nach bisheriger Quellenlage nicht als extremer Antisemit auf … Das graduelle Maß an Antisemitismus Fauths mag weiterer Forschung vorbehalten bleiben.“ (Zeile 740-743)
2) Dass die von Philipp Fauth vertretene Welteislehre keinen „wesentlichen Beitrag zur Anbahnung, Errichtung und Aufrechterhaltung der NS-Herrschaft geleistet“ hat, ist offensichtlich. Spätestens mit Kriegsausbruch spielte die Welteislehre in der nationalsozialistischen Ideologie auch keine Rolle mehr (siehe dazu den wikipedia-Artikel Welteislehre).
3) Herrn Reitzenstein bestätigt in seinem Gutachten, dass bei Philipp Fauth keine Handlungen erkenn- und nachweisbar sind, die aus heutiger Sicht strafrechtlich zu verurteilen sind (Zeile 751).
Philipp Fauth war ein leidenschaftlicher Mondforscher – besessen davon, den Mond zu kartografieren. Dafür hat er alles eingesetzt: sein Vermögen, seine Arbeitskraft und seine Gesundheit.
Im Alter von 70 (!) Jahren und von schwerer Krankheit gezeichnet hat er die Stellung bei der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe in Kauf genommen, um sein Lebenswerk vollenden und absichern zu können: Das Kartografieren des Mondes („Große Mondkarte“) und die Ausstattung der Sternwarte in Grünwald. Ob dies aus heutiger Sicht moralisch zu verurteilen ist, darüber mag man streiten.
Seine wissenschaftliche Leistung – die ihm auch international viel Anerkennung brachte – aber wird dadurch nicht geschmälert: Philipp Fauth hat die größte und präziseste Mondkarte gezeichnet, die ein einzelner Forscher jemals auf Grund visueller Beobachtungen geschaffen hat.
Philipp Fauths Andenken und die Würdigung seines Lebenswerkes sollte darum in seiner Geburtsstadt – auch bei kritischer Betrachtung – nicht in Vergessenheit geraten. Wir bitten den Stadtrat, von der Umbenennung der Philipp-Fauth-Straße abzusehen.
Mit freundlichem Gruß,
Regine Müller-Fauth
