"Nicht mehr ehren wollen" oder Verdammnis?
Von "Karl-Räder-Allee"
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Sehr geehrte Stadtraete*innen,
Ich bedanke mich herzlich fuer Ihre Antworten, auch im Namen von Krista Leach, und fuer die Weiterreichung unserer Beitraege.
Von Krista Leach darf ich Ihnen ausrichten, dass sie mit “arbitrary” oder “willkuerlich” die Auswahl von genau diesen drei Herren, Raeder, Ernst und Fauth, gemeint hat.
Sie sagen, es gehe Ihnen ja nur darum, zu entscheiden, ob Karl Raeder (und die anderen Herren) weiterhin mit ihrem eigenen Strassennamen geehrt werden sollen.
1. Wir meinen, es ist schon lange klar, dass Sie Karl Raeder nicht mehr ehren wollen. Die 150 Jahrefeier hat nicht stattgefunden; das Grab wird nicht mehr bestellt; und die kleinen Hinweisschilder auf “Ehrenbuerger” an den betroffenen Strassennamen werden oder sind bereits entfernt. Waere das Buergerbegehren nicht gewesen, dann waren die neuen Strassennamen bereits aufgehaent. Stimmt das so?
2. Sie sind jedoch noch einen ganz grossen Schritt weitergegangen, naemlich zum GEGENTEIL VON EHRUNG. Dieses Gegenteil ist die OEFFENTLICHE SCHMAEHUNG der Namen und Personen, deren Wirken damit auf ein paar wenige Jahre ihres Lebens reduziert wird! Die Banner im Duerkheimer Museum sind Ausdruck dieser Verachtung, und es ist diese Schmaehung, wogegen sich die Familie Raeder so wehrt! Von heiss verehrt in die Verachtung gestuerzt, in einer geschichtlichen Sekunde! Da Karl Raeder sehr in der Duerkheimer Geschichte verankert ist, aendert dies in der Tat die Geschichte, zumindest in Bad Duerkheim und in der Pfalz. Ich bitte um klare Unterscheidung dieser Dinge und darum, dass Sie von der oeffentlichen Schmaehung wieder absehen und den Banner entfernen werden.
3. Bei den Strassenbenennungen in Bad Duerkheim mische ich nicht mit. Dazu sollen die Anwohner der Strassen und Buerger Bad Duerkheims sich melden. Trotzdem hoffe ich, dass alles so bleibt wie bisher, aus sentimentalen Gruenden meinerseits.
Hier noch eine Randbemerkung: Es mag Sie amuesieren, zu erfahren, dass der kurze Raeder Vers, von Historiker Paul in seinen Bericht eingebaut, inhaltlich genau das ist, was in Amerika schon immer gesagt wird, wenn ein Soldat in fernen Laendern gefallen ist. Der Vers lautet:
Er starb als Offizier
Dem Führer treu ergeben,
Damit in Zukunft wir
In Frieden können leben.
Auch in Amerika,einer Demokratie, ist es eine patriotische Ehre, fuer das Land “und unsere Freiheit” das Leben zu lassen. Ein solcher Tod wird immer als Opfer zur Erhaltung unserer Freiheit betrachtet oder hingestellt.
Mit Ihrer Abstimmung im Februar liegt in Ihrer Hand zu entscheiden, ob sich diese “Hexenjagd” nun immer weiter ausbreitet und immer mehr Namen im Duerkheimer Museum verunglimpft werden. Dann werden Sie sicher bald anbauen muessen, um alle damaligen Duerkheimer Nazis auszustellen, und es koennte einmal zu einer Attraktion fuer Neo-Nazis werden, wo sie ihre Helden verehren koennen. Welch schrecklicher Gedanke! Alles nur, weil manche das Leben und Wirken dieser drei Herren auf die paar Jahre waehrend der Nazi Zeit reduzieren wollen.
Und es liegt in Ihrer Hand, ob Sie ihr oeffentliches Amt dafuer verwenden wollen, der Zensurgesellschaft Vorschub zu leisten, auch wenn das nicht unbedingt Ihre Absicht ist. Sie haben heute Kraft Ihres Amtes viel mehr Befugnis, Macht und Einflussvermoegen als Verbreiter dieser Ansichten, als es Karl Raeder je hatte fuer irgendeine seiner Meinungen.
Mit freundlichen Gruessen,
Lilo Bauer-Freitag
Raeder Urenkelin
Psychotherapeutin (im Ruhestand), Autorin, Aktivistin und Pfarrerin
Greenville, SC, USA
