Faire Beurteilung?
Von "Maler-Ernst-Straße"
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Sehr geehrte Stadtverwaltung, vorab: auch ich teile die Auffassung unseres Mitbürgers Herr Dr. Fallot-Burghardt, dass es angemessen wäre zu wissen, mit wem man es hier von Seiten der Stadtverwaltung zu tun hat. Wohl mit der Leiterin des Stadtmuseums, Fr. Dr. Hallmann-Preuss, richtig?
Sie haben mir geantwortet „Unklar ist uns, was Sie damit meinen, dass die "damaligen Verhältnisse" ausgeblendet würden.“ Dies werde ich Ihnen bei allen drei Straßennamengebern erläutern.
1. Ernst wurde 1858 geboren, war also bei der Machtergreifung durch die Nazis 1933 bereits 75 Jahre; er hat nur Kaiserzeit, ersten Weltkrieg sowie die Weimarer Republik mit Massenarbeitslosigkeit, Vermögensvernichtung breiter Schichten der Bevölkerung durch Inflation, Bürgerkrieg zwischen den braunen und roten Faschisten und die schikanöse Besetzung der Pfalz durch französische Truppen erlebt. Männer seiner Generation haben nie Demokratie wie wir heute erlebt. All das lassen Sie als Stadt einfach unter den Tisch fallen und legen bei der Bewertung von Ernst heutige Maßstäbe zu Grunde.
Bsp: Sie schreiben „Ernst begrüßte den Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich 1938“; was ist daran überraschend? Nahezu alle Deutschen und Österreicher haben das begrüßt. Wie hätten die Menschen damals auch wissen sollen, was danach kam: Reichskristallnacht Nov. 38, Kriegsbeginn 1939, Berliner Wannseekonferenz Jan. 1942, Judenvernichtung ab 1942. All das konnte doch niemand voraussehen. Selbst viele deutsche Juden haben leider bis zur Reichskristallnacht im Nov. 38 gehofft, dass das Naziregime seine restriktive Politik noch ändere und sind nicht ausgewandert, als es noch möglich war! Dazu die Olympischen Spiele 1936 in Berlin: die Welt war zu Gast in Nazideutschland, viele sagten: so schlimm kann es bei uns doch nicht sein.
2. Ernst ist nie mit antisemitischer oder sonstiger Nazi-Propaganda an die Öffentlichkeit getreten, er hat nie jemanden geschädigt; sein „Vergehen“: er hat seine Gedanken nur in kaum zu entziffernder Handschrift in sein Tagebuch geschrieben. Handelte so ein überzeugter Nazi? Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass Ernst zeitlebens finanziell klamm war und daher doch ein sehr hohes Interesse gehabt haben musste, mehr Bilder durch regimetreue Propaganda zu verkaufen. Dies hat er eben nicht getan. War er evtl. psychisch krank? Niemand kann die Frage beantworten. Wie Herr Höhn in seinem Gutachten zu Fauth schon ausführt: Im Zweifel für den Angeklagten und nicht umgekehrt.
3. Nachdem Sie als Stadt nichts weiter über Ernst finden, bedienen Sie sich eines sehr unredlichen Kniffes: Sie zitieren einfach Funktionäre der Künstlervereinigung, in der Ernst Mitglied war, mit nationalsozialistischen Äußerungen! Was hat denn Ernst damit zu tun? Er musste doch Mitglied der Künstlervereinigung sein, um seine Bilder zu verkaufen. Was für ein unfaires Framing ist das denn!
Die Bewertung der Stadt ist völlig unangemessen und strotzt vor Voreingenommenheit.
So geht man nicht mit Geschichte um; daher plädieren wir als Bürgerbewegung für die Straßenbeibehaltung mit einem Zusatzschild „Info zur Nazizeit“ sowie QR-Code. So wird Geschichte bewahrt!
