Ein letzter Anlauf
Von "Karl-Räder-Allee"
Zum Projekt
Noch einmal, liebe Stadtraete&innen,
Ich hatte mir die Muehe gemacht, Ihnen Punkt fuer Punkt die Maengel am Gutachtens des historischen Gutachtens aufzuzeigen, das Sie als Grundlage verwenden, unseren Urgrossvater heute zu entehren. Ich zeigte Ihnen, welche Ausdruecke wir als pure Beleidigungen empfinden (z.B. "anbiedern" und "Wendehals"), die Karl Raeder als einen Luegner hinstellen. Zu unrecht als Luegner dargestellt zu werden IST eine Beleidigung. Sowie Ausdruecke und Redeformen, die die Voreingenommenheit (und dadurch Faerbung) des Historikers genau durchblicken lassen ("was war da noch?"; "hat er es sich nicht nehmen lassen..."; "eilfertig" hat er eine Einladung angenommen; er "entpuppte" sich als "Wendehals"; "gab er immerhin zu," dass er den Einfluessen erlag; usw) . Dazu kommen noch eine Reihe von unbelegten Vermutung auf Seiten des Historikers, und Unsachlichkeiten, indem er von Eigenschaften ANDERER Leute spricht, mit welchen Karl Raeder damals zu tun hatte, anstatt sich auf die Person Karl Raeder zu beschraenken. ... Ihre Antwort: "Koennen wir nicht vorfinden," sowie "entschieden zurueckgewiesen." Basta? Fertig? So einfach? Aber so einfach ist das nicht, und so einfach darf es sich keiner machen in einem Rechtsstaat und in einer Demokratie.
Von der Familie werden "Beweise fuer Karl Raeders Reue nach dem Krieg" verlangt; wir selbst werden jedoch abgespeist und zurueckgewiesen. Die "Beweise," die Sie suchen, sind genau in demselben Tagebuch Karl Raeders aufzufinden, sowie in seinem Nachkriegs- Gedichtsband, "Oh Pfaelzer Land, wie schoen bist Du!" (1948) die Historiker Paul auch zu Verfuegung standen. Bitte belesen und ueberzeugen Sie sich einmal selbst (Raeder Urenkelin Ingrid Bauer wird Ihnen gern ein Exemplar zur Verfuegung stellen, falls Sie es nicht haben).
Und bitte hoeren Sie auf zu behaupten, dass Karl Raeder Amerika besucht hat, MIT DEM ZIEL, DORT REDEN ZU HALTEN. Das stimmt ganz und gar nicht. Dafuer haben wir noch keinen einzigen Beleg gefunden. Wir Raedernachkommen in Amerika stecken bereits seit einer Weile unsere Koepfe zusammen, um vielleicht im Nachlass unserer Tante Hilde (die Karl Raeder damals besuchte) etwas zu finden, das Aufklaerung ueber die Umstaende geben koennte, wie es damals zu diesen Einladungen, in einigen (wenigen) deutschen Clubs in Amerika zu reden und Gedichte vorzutragen, gekommen ist. Und nochmals muss betont werden, dass sein Besuch in den USA die deutsch-amerikanische Geschichte in keinster Weise beeinflusst hat. Karl Raeder taetigte diese Reise, um dem Elend und den Sorgen in Deutschland bei Familie in Amerika fuer eine Weile zu entrinnen--genau so steht es in seinem Tagebuch. Mit der ersten Frau und Kindern von Sohn Philip, den er auch in Amerika besuchte (und welche auch noch manchmal die Raederklauses besuchten) ist der Kontakt leider bereits vor vielen Jahren abgebrochen.
Darueberhinaus stimmt Karl Raeders Selbstbeschreibung (dass er anfaenglich lange GEGEN den Nationalsozialismus war und nur nach und nach dessen Einfluessen erlag) 100% mit der Ablehnung der Reichskulturkammer ueberein, die ihn als ungenuegend regimetreu beschrieben hat. Somit bezeugen diese Zitate von Raeders EHRLICHKEIT, und nicht etwa eine (angeblich geheuchelte) Kehrtwendung nach dem Krieg! Laut seinem Tagebuch hat er selbst die Art seiner Mitmenschen zu Kriegsende kritisiert, mit dem Satz: "Keiner will Nationalsozialist gewesen sein." In anderen Worten, die meisten wollten es nicht zugeben. Er selbst aber doch! Er empfand sich als Kuenstler lediglich als ein ein "Instrument" (sehen Sie das gleichnamige Gedicht in "Oh Pfaelzer Land..."), dessen "Seele schwingt, wie eure fuehlt und klingt." Das bedeutet, dass er als Medium "das Senden wie Aetherwellen klar" auffing und wiedergab von seiner damaligen Welt ("Seelen Rundfunk" in "Oh Pfaelzer Land..."). Wie und warum man Karl Raeder als Luegner hinstellen kann--ein Mann, bei welchem Ehrlichkeit und Ehrbarkeit grossgeschrieben waren--ist mir weiterhin unbegreiflich.
Wenn es sich bei dem Gutachten um Herrn Pauls "Meinungsfreiheit" handelt, dann muesste eigentlich mehr als nur ein qualifiziertes Gutachten eingeholt werden.
Karl Raeder hat seiner geliebten Stadt und der Pfalz redlich GEDIENT, mit jeder Faser seines Wesens, besonders nach dem Krieg und bis zu seinem Tod, als er keine Familie mehr versorgen musste. Er hat die erhaltene Ehrung der Stadt als eine Verpflichtung zum Dienen aufgefasst und fuer den Rest seines Lebens unter Beweis gestellt--ein Dienen, wie es bei vielen heute ein Fremdwort ist. Nach Erhalt des Ehrenbuergerbriefs der Stadt im Juli 1958, schrieb Karl Raeder ganz bescheiden:
"Beanlagung als Drang und Zwang zur Dichtung
Heisst fuer die Heimal und das Volk Verpflichtung.
Begabung ist ein "Muss," in breiten Bildern
Die Heimat schoen und gleichnisrein zu schildern.
Poeten haben Lust am Fabulieren,
Am Formulieren, am Produzieren!
Wenn das Finanzamt wuesst, welch reine Freude
Den Dichtern ihre Taetigkeit bereite,
Dann wuerd' es zweifellos und ohne Bangen
Vergnuegungssteuer vom Poet verlangen.
Man sollte also verbetend verwehren
Die Dichter hoch zu leben und zu ehren.
Ein Dichter tut also gesehn bei Licht
Mit seiner Schreiberei bloss seine Pflicht."
Bis zu seinem Tode, 1967, hat er noch in genau dieser Bescheidenheit gelebt und gedichtet, war federfuehrend beteiligt an der Entstehung des Literarischen Frühschoppens und rezitierte bei oeffentlichen Anlaessen oft und gerne. Auch war alljaehrlich ein gern gesehener Gast bei der "Paelzer Poesie" auf jedem WUMA. Er konzentrierte sich fortan auf alles Schoene in seinen Mitmenschen und in seiner heissgeliebten Heimat. ... Bitte sagen Sie mir, wer von den lauten Stimmen, die Karl Raeder heute so schlecht machen wollen, hat je soviel fuer das Ansehen der Stadt getan? Die Stoerenfriede bei der Buergerversammlung koennten sich noch heute eine Riesenscheibe von Karl Raeder abschneiden!
Und somit bittet die Raeder Familie noch einmal, vor der endgueltigen Abstimmung, um GNADE fuer Karl Raeder, den wir nur als einen bescheidenen, rechtschaffenen und lustigen Menschen kennen, der sein letztes Hemd fuer einen armen Mitmenschen gegeben haette und oft gegeben hat, sowie er auch seine letzten Kartoffeln nach der Bombadierung Bad Duerkheims mit obdachlosen Duerkheimern geteilt hat, die er in der Raederklause unterbrachte. Er war uns genau so immer Vorbild gewesen. Das Gutachten und die ausgestellten Informationen im Netz und Museum werden ihm in keinster Weise GERECHT.
Hochachtungsvoll,
Lilo Bauer-Freitag
Raeder-Urenkelin
Greenville, USA
