Zum Hauptinhalt wechseln

Analyse der Recherchen von Historiker Paul

Von "Karl-Räder-Allee"

Zum Projekt

An den Stadtrat und alle Interessierten in Bad Duerkheim:


Seit meinem letzten Beitrag hier wurde ich gefragt, welche negative Faerbungen und Unsachlichkeiten ich in der Recherche von Historiker Paul gefunden habe, die bisher noch nicht erwaehnt wurden. Meine Antwort koennte auch Sie im Stadtrat interessieren und ist wie folgt:


1.       Geburtstagsgedichte: Karl Raeder war kein Mensch, der gekaufte Geschenke vergeben hat. Ich kann mich jedenfalls an keines erinnern. Stattdessen schenkte er Gedichte, die er eigens fuer die Person und jeden Anlass “erdochten” hat, wie er gerne sagte. Selbstverstaendlich sagt man in einem solchen Gedicht NICHTS NEGATIVES UEBER DEN EMPFAENGER. So auch nicht z.B. im Gedicht zum 52. Geburtstag des Fuehrers.

2.      Karl Raeder “entpuppte” sich nach dem Krieg als ein “Wendehals”: Das ist Herrn Pauls ganz persoenliche, negative Interpretation, wobei “Wendehals” ein Opportunist ist, der sich der jeweiligen Laune im Lande anpasst (PONS Dictionary), ein “Flip-Flopper” und einer, der sein Faehnchen nach dem Wind richtet (ohne eigentliche Substanz oder Ueberzeugung). Und so klar und sachlich wie ein “Entpuppen” ist das tatsaechlich nicht.

3.      “Eilfertig” nahm er eine Einladung an: Eilfertig—wirklich? Wie schnell ist “eilfertig”? Woraus schliesst Herr Paul, dass Karl Raeder sich beeilt hat und nicht etwa darueber nachgedacht hat? Und auch wenn er sich beeilt haette, dann war das nicht unbedingt aus dem Grunde, den Herr Paul unterschwellig andeutet. Das ist also eine unsachliche und ueberfluessige Bemerkung.

4.      “Erwartungsgemaess” hat Buergermeister Mangold nichts von Karl Raeders Engagement in der NS-Zeit erwaehnt: Da kann man raten, wieso Herr Paul das so und nicht anders erwartet hat. Will er andeuten, dass sich die Leute gegenseitig zu Ruhm und Ehre verholfen haben, unter Vortaeuschung falscher Tatsachen? Jedenfalls regt es den Leser an, solche oder aehnliche negativen Vermutungen zu stellen.

5.      “Man musste nicht NSDAP Mitglied sein, um in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen zu werden”----und DENNOCH wurde Karl Raeder’s Beitrittsantrag abgelehnt. Aus heutiger Sicht spricht das FUER Karl Raeder, was dabei aber nicht gesagt wird. Stattdessen meint Paul: “Offenbar waren der Gestapo Raeders anbiedernden Gedichte verborgen geblieben oder man hat ihm einfach nicht geglaubt.” Das heisst, Herr Paul hat der Tatsache, dass er abgelehnt wurde, mit einer negative, persoenlichen Vermutung belegt, die in so einem Report total unangebracht ist.

6.      Und da ist dieser Begriff, “ANBIEDERN,” der eine sehr negative (ja, ekelhafte) Bewertung beinhaltet, von jemandem, der nur nett TUT, um Anklang zu finden, sich also faelschlich repraesentiert. Aber wenn man schon so einen Ausdruck benutzt, denn koennte man auch annehmen, dass Karl Raeders Begeisterung und Anhaenglichkeit an die NZ-Zeit gar nicht so tief gefuehlt war! Trotzdem ist der Begriff unsachlich und laesst den Leser angewidert zuruck und hat daher in einer wissenschaftlichen Analyse ueberhaupt nichts zu suchen.

7.      Um bei dem “Anbiedern” zu bleiben: Wer von uns hat seine Vita nicht schon einmal oder oefter poliert fuer einen spezifischen Zweck, z.B. um eine bestimmte Anstellung zu erlangen. Dabei stellt man sich natuerlich in das beste Licht und fuehrt seine Qualifikationen auf, speziell fuer die gewuenschte Position. … Also, wenn das “Anbiedern” ist, dann sind wir alle schuldig und vielleicht schon genauso widerlich gewesen, wie Karl Raeder gerade hingestellt wurde..

8.      Was soll Herr Pauls Bemerkung, dass “fuehrende National-Sozialisten waren der Meinung…die Judenpolitik (in Amerika) beeinflussen zu koennen”? Geht er davon aus, dass Karl Raeder das ueberhaupt gewusst hat? Wie hat er das erfahren koennen, wenn er nicht mal Parteimitglied war? Aus dem Radio? Herr Paul belegt nicht, dass und wie dieser Umstand Karl Raeder vor seiner Amerikareise bewusst war. Aber Herr Paul nimmt auch unrichtigerweise an, dass diese Reise speziell aus Propagandagruenden stattfand, waehrend Karl Raeder in erster Linie seine Kinder (HILDE—nicht GRETEL—und Phillip) besucht hat. Darueberhinaus hat Karl Raeder sich uebereall ueber Publikum gefreut.

9.      Der “Bund der Freunde des neuen Deutschlands” mag mit Unterstuetzung der NSDAP organisiert gewesen sein, aber weshalb war es Herrn Paul wichtig, das in diesem einen Fall hinzuzufuegen? Karl Raeder hat, wie gesagt, doch UEBERALL Einladungen angenommen und nicht nach Fianzierung gefragt. Die Wirkung von diesem Zusatz ist negative Stimmungsmache.

10.  Genau wie in (9), war es unangebracht, zu erwahnen, dass bei dem Reichssender in Saarbruecken “der Intendant ein ueberzeugter Nationalsozialist war.” Will er damit unterschwellig andeuten, dass dies fuer Karl Raeder ausschlaggebend war? Der Report geht um Karl Raeder, und nicht um den Intendanten, es sei denn, man beabsichtigt, Karl Raeder nach den Charakteren seines Arbeitsgebers zu beurteilen.

11.  Karl Raeder publizierte, wo er konnte, einschliesslich im der NSZ-Rheinfront und dem o.g. Sender. Gab es eigentlich ueberhaupt alternative Moeglichkeiten, seine Kunst zu publizieren?

12.  Eine kleine deutsche Zeitung in San Diego hat sich positiv ueber Karl Raeders Vortrag dort geaeussert. Das Publikum sei sehr ergriffen gewesen.-----Weshalb ist es wichtig, was (in einem Fall) die Presse ueber ihn schrieb? Die Kritik eines Kuenstlers faellt manchmal positiv aus, und manchmal ist sie negativ. Das sagt nicht unbedingt etwas ueber Karl Raeder aus und ist “Hoerensagen.” Dazu kann man noch sagen, dass Karl Raeder (oder die eingewanderten Deutschen in Amerika) die Geschichte in keiner Weise beeinflusst haben. Deutschamerikaner sind historisch nicht sonderlich politisch aktiv und haben bis heute noch keine vereinte Stimme.

13.  Dann, nach Kriegsende, will Herr Paul die ausgedrueckte Reue in seiner “Trauerballade” einfach NICHT GLAUBEN. Worauf basiert dieser Glaube? Und gehoert Glaube in einen historischen Report?

14.  Genauso gehoeren die Schlussbemerkungen ueber Gustav Ernst ueberhaupt nicht in eine Recherche UEBER KARL RAEDER. Soll Karl Raeder etwa nach den Tagebucheintragen von Maler Ernst beurteilt werden?

15.  Bei den Schlussbemerkungen heisst es noch, “es koenne Karl Raeder nicht verborgen geblieben sein, was mit Juden geschah.” Das ist eine reine VERMUTUNG. Sehr viele haben das ueberhaupt nicht gewusst und konnten es kaum oder gar nicht glauben, als sie es erfuhren. Die “Loesung” von damals ist so ungeheuerlich, dass man sie nicht glauben kann oder will. Genauso wenig wuerden wir heute glauben, wenn wir erfahren sollten, dass mit derzeitigen Bevoelkerungsgruppen (z.B. Fluechtlingen) etwa aehnliche “Loesungen” angewendet sein sollten. Auch ueber Fluechtlinge heute wird viel Negatives gesagt, und wir nehmen einfach an und hoffen, dass es beim Reden bleibt. Aus diesem Unwissen heraus Karl Raeder als “nicht gerade einen Menschenfreund” zu bezeichnen ist voellig unangebracht, als auch “nicht gerade ein Menschenfreund” selbst eine unsachliche Bemerkung ist.


Es sei noch bemerkt, dass der Familie bisher verweigert worden ist, die Originalquellen Herrn Pauls direct einzusehen.


Zusammenfassend bleiben von Herrn Pauls Recherche nur ein paar Gedichte uebrig, in welchen Karl Raeder Begeisterung fuer das Regime ausgedrueckt hat…Gedanken und Gefuehle zu Papier gebracht hat, die sein Publikum selbst hatte. Ausserdem ist Herr Paul sich ja gar nicht so sicher, was er davon als “Anbiedern” empfindet. Karl Raeder einen “Propagandisten” zu nennen, nur weil er eine oeffentliche Persoenlichkeit war, geht meiner Meinung nach zu weit. Bitte bedenken Sie auch, dass er in seinem Leben noch fuer viele andere Dinge “Propaganda” gemacht hat: Naturverbundenheit, Heimatliebe, Rechtschaffenheit, Philosophie, Schlichtheit, und er hat sehr viel kostenlose Werbung fuer den Pfaelzer Wein gemacht!


Ohne Frage war Karl Raeder ein begeisterungsfaehiger, leidenschaftlicher Mensch, der manchmal in’s Schwaermen geriet und kaum zu bremsen war, wenn er eine Idee hatte. Ich halte dies eigentlich im allgemeinen fuer etwas Positives, will jedoch die damalige Zeit auch nicht verniedlichen. Trotzdem SOLLTE DIE RECHERCHE DES HISTORIKER PAULS DISQUALIFIZIERT WERDEN, aus allen obengenannten Gruenden. Ich bin eigentlich ueberrascht, dass Sie seine negative Voreingenommenheit und Unsachlichkeit an so vielen Stellen nicht sofort bemerkt haben. Ich weiss, Sie lehnen den Begriff “Propaganda,” auf sich selbst angewendet, entschieden ab. Jedoch ein Report, der dermassen unsachlich und emotional geladen  ist wie dieser, IST “Propanda,” laut Definition, weil er einen ganz bestimmten Zweck verfolgt: Die Diffamierung und NUR die Diffamierung. Er laesst den “Befund” nicht offen sondern manipuliert den Leser. Und das muss der Leser mit gleicher Entschiedenheit ablehnen.


Hochachtungsvoll,


Lilo Bauer-Freitag

Raeder Urenkelin

Greenville, SC, USA

Kommentare

Kommentare sind nicht möglich, da dieses Projekt derzeit nicht aktiv ist.

Teilen

Aktueller Status

angesehen